Zersiedelung stoppen: Frankreich geht voran

Die französische Regierung nimmt in ihrem Plan für den Schutz der Biodiversität die Zersiedelungsinitiative quasi vorweg. Das zeigt, dass die Initiative einen vernünftigen und moderaten Weg einschlägt.

 

Verschwindet die Artenvielfalt, so verschwinden die menschlichen Lebensgrundlagen. Der ungebremste Verlust von natürlichen Lebensräumen ist eine der zentralen Herausforderungen der Umweltpolitik. Der Umweltminister Frankreichs, Nicolas Hulot, zeigt in einem umfassenden Plan, wie dem Biodiversitätsverlust begegnet werden sollte. Unter den 90 Massnahmen ist dabei auch eine ganz entscheidende: Jeder neu versiegelte Quadratmeter Boden soll durch einen zusätzlichen Quadratmeter Naturfläche kompensiert werden. Das bedeutet, dass die versiegelte Fläche unter dem Strich nicht wachsen darf.

Die Initiative «Zersiedelung stoppen – für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung» formuliert eine Idee für die Schweiz, die nicht so weit geht wie die französische Variante, aber grundsätzlich analog ist: Neues Bauland wird nur eingezont, wenn dafür eine mindestens ebenso grosse Fläche ausgezont wird. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Zersiedelung endlich gestoppt werden kann.

Dass diese Forderung nicht radikal, sondern vernünftig ist, bestätigt die Entwicklung in Frankreich, wo die Regierung die Massnahme selber vorschlägt. In der Schweiz beklagen der Bundesrat und das Parlament die fortschreitende Zersiedelung zwar, lehnen aber griffige Massnahmen dagegen ab. Ganz anders in Frankreich, da will die Regierung selbst mit der Umsetzung starten. Schlussfolgerung: Auch die Schweiz kann die Chance packen, wenn sie der Zersiedelungsinitiative zustimmt.