Nachhaltige Quartiere© Kurt Lampart

Die Utopie ist längst Realität

Nachhaltige Quartiere

Der Verein Neustart Schweiz hat eine wichtige Vordenkerrolle im Bereich der nachhaltigen Quartiere und auch schon ein Konzept vorgelegt.[1] Ebenso hat der Bund 2011 die Publikation „Nachhaltige Quartiere“ veröffentlicht.[2] Sie ist ein Leitfaden für die Umsetzung nachhaltiger Siedlungen vor Ort. Damit hat das Thema die politische Ebene erreicht. Das Konzept beschreibt einen urbanen Raum mit rund 500 EinwohnerInnen, lokalem Zentrum, grosszügigem Grünraum und trotzdem sehr geringem Landverbrauch. Um dies zu erreichen, kommt es auf eine gute Planung an. Es braucht eine dichte Bauweise. Das nachhaltige Quartier könnte also z.B. so aussehen: Optimalerweise ist es ring- oder u-förmig angeordnet. Ein begrünter Innenhof oder Park bringt den Grünraum in die Siedlung. Die Abgrenzung von der Strasse macht den Wohn- und Freiraum ruhig. In den Erdgeschossen gibt es Platz für lokales Gewerbe, dabei reicht die Palette von der Quartierbeiz bis zum Lebensmittelgeschäft. Auch ein Kindergarten ist vorhanden.

 

Nachhaltige Quartiere bieten Wohnraum für alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten. So beinhaltet das Quartier Wohnungen in verschiedensten Grössen und für unterschiedlichste Bedürfnisse. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist soziale Integration, das Zusammenleben. Um dieses zu Fördern stehen neben den Cafés sowohl öffentliche Grünflächen als auch gemeinsam genutzte Räumlichkeiten zur Verfügung. So bietet beispielsweise eine Quartierwerkstatt nicht nur eine hervorragende Möglichkeit, das Velo selbst zu reparieren, sondern sie ist auch ein Treffpunkt der Menschen. Und schliesslich runden Kulturanlässe und Gemeinschaftsräume das Angebot ab. Doch auch die Privatsphäre kommt nicht zu kurz. Beispielsweise sind die Wohnungen perfekt schallisoliert. Zudem bietet die grosse Wohnungsvielfalt eine optimale Möglichkeit, das eigene Reich individuell auszugestalten.

 

Mit diesem Konzept werden viele Ziele auf einmal erreicht: Die dichte Bauweise beansprucht wenig Boden. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben viel Grünfläche in nächster Nähe. Wohnen, Arbeit und Freizeit sind nahe beieinander, es gibt keine strikte Trennung zwischen Wohn- und Gewerbegebiet. Diese funktionale Durchmischung ermöglicht kurze Verkehrswege. Das verringert das Verkehrsvolumen. Obwohl mit dem Boden effizient umgegangen wird, haben alle genügend Raum, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. In einem nachhaltigen Quartier leben genügend Menschen, so dass sich auch ein gut ausgebauter ÖV lohnt. Die soziale Durchmischung stärkt wiederum die Integration und verhindert die Segregation.

Die Grösse der Siedlung umfasst in etwa jene einer konventionellen Dorfgemeinschaft. Dies lässt Raum für Austausch, Nachbarschaften und Vereinsaktivitäten. Gleichzeitig gibt es keine Streuung der Wohnungen wie in Agrargemeinden. Die dichte Bauweise und die kurzen Verkehrswege prägen die Siedlung auf städtische Weise. Nachhaltige Quartiere bringen also positive Eigenschaften von Stadt und Land zusammen.

 

© Neustart Schweiz

 

Dass nachhaltige Quartiere längst keine Utopie mehr sind, zeigen verschiedene bereits realisierte Projekte wie beispielsweise das Mehr-Generationen-Haus am Eulachpark in Winterthur, die Quartiere Hunziker-Areal, Manegg und die Siedlung Sihlbogen in Zürich oder Siedlung Jonction – Artamis in Genf. Sie haben gemeinsam, dass der Flächenbedarf klein und die Lebensqualität sehr hoch ist.

 

Innere Verdichtung

In einem nachhaltigen Quartier zu wohnen ist nicht nur attraktiv, sondern spart auch Fläche und wirkt damit gegen die Zersiedelung. Anonyme Agglomerationsgebiete können dank nachhaltigen Quartieren belebt und verdichtet werden. Dazu braucht es jedoch den Willen für eine Transformation der heutigen Siedlungsstruktur. Zudem muss das Modell der nachhaltigen Quartiere zuerst in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Das ist das Ziel der Initiative. Nachhaltige Quartiere sind ein Modell, das sowohl dem Umweltgedanken als auch Komfortansprüchen gerecht wird. Sie sind daher die logische Antwort auf das Zersiedelungsproblem.

 

[1] www.neustart.ch

[2] Bundesamt für Energie & Bundesamt für Raumentwicklung. (2011). Nachhaltige Quartiere: Herausforderungen und Chancen für die urbane Entwicklung.

 

Nachhaltige Quartiere© Tilman Rösler