Zersiedelung stoppen!© Marco Knobel

Alle 45 Minuten wird ein Einfamilienhaus gebaut. 15 Fussballfelder an Grünfläche fallen täglich der unkoordinierten Zubetonierung der Schweiz zum Opfer. Die Zersiedelung schreitet ungebremst voran, denn auch im neuen Raumplanungsgesetz fehlen griffige Massnahmen. In den letzten 50 Jahren wurde in der Schweiz eben so viel Fläche für Siedlungszwecke beansprucht wie seit der Sesshaftwerdung der Menschen bis zur Mitte des 20 Jh. Oder anders ausgedrückt: Die Zersiedelung hat zwischen 1935 und 2002 um 155% zugenommen, wobei die Wohnbevölkerung in der gleichen Zeit nur um 76% Prozent gewachsen ist. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • 1980 beanspruchte eine Person durchschnittlich 34m2 Wohnfläche, heute sind es 45m2.
  • Der gesamthafte Flächenbedarf pro Person oder Arbeitsplatz betrug 2002 im schweizerischen Mittel 223m2. Dass es auch anders geht, zeigt der Kanton Basel Stadt, wo die durchschnittlich beanspruchte Fläche im gleichen Jahr gerade mal 138m2 pro Person oder Arbeitsplatz betrug.
  • Zum unverhältnismässigen Landverbrauch trägt aber auch der Trend zu grossflächigen einstöckigen Industriebauten bei.

Das Problem der Zersiedelung ist viel weitreichender als nur der Verlust des Landwirtschaftslandes. Denn wie und wo wir wohnen bestimmt viele Bereiche des Lebens:

  • Längere Verkehrswege und dadurch mehr Verkehr.
  • Eine geringe Besiedlungsdichte, was eine logische Folge der Zersiedelung ist, führt dazu, dass sich ein engmaschiges und zeitlich dichtes ÖV-Netz nicht lohnt. Die Menschen weichen auf das Auto aus, es entsteht noch mehr Verkehr.
  • Das gesuchte Dorfleben erweist sich in vielen Agglos als Illusion. Sie sind sehr anonym, Treffpunkt der Menschen bleibt die Stadt. Die Menschen wohnen zwar im Ort, sind dort aber sozial (fast) nicht verankert.

Die sozialen und ökologischen Folgen der Zersiedelung sind gravierend. Es braucht einen neuen Lebensentwurf!

Gemeinsam Wohnräume schaffen!© Marco Knobel

Eine geschickte Siedlungspolitik, welche den Agglomerationen ein Gesicht und Leben gibt, ist ein wichtiges Mittel gegen die Zersiedelung. Ja, die Urbanisierung der Agglomerationen bringt viele Vorteile mit sich. Städtisches Wohnen bedeutet Einkaufen in Gehdistanz, ein dichtes und engmaschiges ÖV-Netz, kürzere Arbeitswege, Schule und Kindergarten im Quartier, Quartierpark mit tollem Spielplatz, und vieles mehr.

 

Das Verdichten gegen Innen bringt wesentliche Vorteile. Nun kann dies so geschehen wie in den 70er Jahren: Hochhaus neben Hochhaus, schlechte Bausubstanz und auch nicht gerade besonders schön. Oder aber es kann zeitgemäss gebaut werden. In modernen gemeinschaftlichen Quartieren teilen die Menschen einen gemeinsamen Quartierpark und möglicherweise sogar einen Quartiergarten, sie haben Gemeinschaftsräume welche beispielsweise für ein Geburtstagsfest genutzt werden können, gemeinsame Werkstätten, damit nicht alle ihre eigene Bohrmaschine kaufen müssen und ein quartiereigenes Restaurant. Hier können die Kinder Mittagessen, wenn beide Elternteile arbeiten und abends können sich die Menschen aus dem Quartier zum Bier treffen. Wird das Quartier klug geplant, so hat es auch Platz für Gewerbe, zum Beispiel ein Klempner, ein Informatikbüro oder ein Coiffeursalon. Natürlich gehören auch die Kita und das Lebensmittelgeschäft mit eingeplant. Ja sogar ein quartiereigener Lebensmittelladen mit Direktverträgen zur Landwirtschaft ist denkbar.

 

Dass dies alles nicht nur eine Utopie ist, zeigen verschiedene Siedlungen welche bereits solches Wohnen umsetzen, wie beispielsweise das Mehr-Generationen-Haus am Eulachpark in Winterthur. Wer einmal ein solches Quartier besucht und mit den Menschen gesprochen hat, der weiss: Hier ist das «Dorfleben» noch intakt, hier fühlt man sich im Grünen und lebt trotzdem mitten in der Stadt.

Natur bewahren!© carperenato – Flickr.com